TAUCHEN

Wie alles begann, Geschichte des Tauchen

Die Geschichte des Tauchens beginnt schon 4500 v. Chr mit der Ernte von Schwämmen, Perlen und Korallen. 2.000 Jahre später tauchte der Grieche Scyllias nach versunkenen Schiffen, um wertvolle Ladung zu bergen. Dem Mythos nach soll er dabei einen umgedrehten Kessel als Luftreservoir genutzt haben. Sollte dies wahr sein, wäre er der erste Gerätetaucher der Geschichte.

So sollen schon 450 v. Chr. in der Antike die ersten Marinetaucher in Griechenland, bei Kampfeinsätzen gegen feindliche Schiffe eingesetzt worden sein, um diese anzubohren und zu versenken.

250 v. Chr. entdeckte Archimedes die für Schiffbau und Tauchen wichtigen Gesetze des Auftriebes. Er erkannte, dass die Auftriebskraft eines Körpers in einem Medium genau so groß ist, wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums. Heute nennt man dieses Gesetz Archimedisches Prinzip und es gehört zu den wichtigsten physikalischen Prinzipien, die ein Taucher verstehen und vor allen Dingen kontrollieren muss.

Um 60 n. Chr. berichtete der römische Feldherr, Politiker und Gelehrte, Plinius der Ältere ,von Kampftauchern. Er war Präfekt der römischen Flotte und ließ die Taucher mit Schnorcheln ausstatten. Vereinzelte weitere Berichte über den Einsatz von Tauchern existieren. So sollen zum Beispiel im Jahre 194, im Zuge einer Belagerung, in einem der zu dieser Zeit häufigen römischen Bürgerkriege, oströmische Kampftaucher einige weströmische Galeeren erobert haben.

Dann kam das Mittelalter – 1.000 Jahre Stillstand beim tauchen
1.000 Jahre Stillstand beim Tauchen. Im Mittelalter gingen in Europa große Teile des Wissens der Antike verloren. Darunter war auch die Kenntnis um das Prinzip der Taucherglocke. Auch sonst war in Europa keine Innovation im Bereich der Tauchtechnik zu verzeichnen. In dem von Bürgerkriegen zerrütteten Japan hingegen entwickelte die Kriegerkaste der Ninja neue Schwimmtechniken und beschäftigte sich auch mit dem Tauchen.

Die Renaisance im Tauchen kam mit dem Ende des europäischen Mittelalters ab 1453 mit der Entdeckung neuer Seewege durch Portugiesen und Spanier. Das neue Zeitalter der geistigen Freiheit und des wissenschaftlichen Forscherdranges führten dazu, das die alten Schriften der Antike wieder studiert und vieles Wissen der Vorzeit neu entdeckt wurde.

Leonardo da Vinci, einer der schöpferischsten Denker der Renaissance, entwarf um 1500 einen schweinsledernen Tauchanzug mit einer Lederkappe und handtellergroßen Glaslinsen als Maske.

Zur Luftversorgung plante er einen Blasebalg mit 2 Schläuchen. Das Tauchgerät war für einen militärischen Einsatz gegen die gefürchtete osmanische Flotte gedacht. Ein Nachbau aus dem Jahre 2003 bewies die grundsätzliche Funktionsfähigkeit der Konstruktion.

1538 wurde in Toledo eine offene Tauchglocke ohne Luftversorgung vorgeführt und somit das damals 1800 Jahre alte Prinzip neu erfunden.

Eine wichtige Entdeckung um 1650 gelingt dem Magdeburger Multitalent Otto von Guericke im Zusammenhang mit der Luft, ihrem Gewicht und dem Druck. Seine spektakulären Versuche bewiesen zum einen, dass Luft überhaupt Gewicht besitzt und zeigten die Existenz und enorme Wirkung des Luftdruckes, einer bis dahin unbekannten physikalischen Größe. Die Gesetze des Druckes sind für das Tauchen von enormer Bedeutung und jeder Taucher muss sie kennen und verstehen. Zu jeder modernen Tauchausrüstung gehören 2 Druckmessgeräte. Der Tiefenmesser misst die Tauchtiefe indirekt über den Wasserdruck. Das Finimeter zeigt den aktuellen Flaschendruck – also die Menge der verbleibenden Atemgase – an.

Der englische Physiker Robert Boyle beschrieb 1662 den Zusammenhang zwischen Druck und Volumen eines Gases. 1676 gelangte unabhängig von ihm sein französischer Kollege Edme Mariotte zu denselben Erkenntnissen. Das Gesetz von Boyle-Mariotte besagt, dass das Produkt aus Druck und Volumen einer festgelegten Stoffmenge von Gas konstant ist. Das bedeutet, dass bei steigendem Druck eine Gasblase an Volumen verliert und sich bei fallendem Druck ausdehnt. Dieser physikalische Zusammenhang ist die vielleicht bedeutsamste theoretische Erkenntnis für die Entwicklung des Tauchens.

1670 entdeckte Robert Boyle, dass Gase sich unter Druck in Flüssigkeiten lösen und bei Druckabfall Blasen bilden. Dieses Verhalten ist für die Erklärung der Taucherkrankheit von grundlegender Bedeutung.

Im Oktober 1691 zeigte Edmund Halley der Öffentlichkeit eine Tauchglocke
mit Luftversorgung. Zusätzlich zur Glocke wurden mit Luft gefüllte Fässer abgelassen. Wenn man diese unterhalb der Glocke öffnete, konnte die Glocke mit Frischluft befüllt werden. Taucher, die mit Hilfe von Atemschläuchen mit der Glocke verbunden waren, konnten die komprimierte Luft atmen. Halley blieb mit dieser Vorrichtung für 1,5 Stunden in 15 m Tiefe. Später wurden derartige Glocken mit Ablassventilen ausgestattet, so dass vor dem Nachfüllen verbrauchte Luft abgelassen werden konnte.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war der Maschinenbau in Großbritannien so weit entwickelt, dass leistungsfähigere und mobile Kompressoren gebaut werden konnten. Die konstant erzeugte Druckluft wurde genutzt, um Tauchglocken kontinuierlich mit Frischluft zu versorgen.

Der Kompressor gestattete auch eine weitere Form der Bewegung unter Wasser, die dem modernen Tauchen schon sehr ähnlich ist. Die Tauchglocken wurden der Art verkleinert, dass sie nur noch den Kopf bedeckten. Es entstand das Helmtauchgerät.

Das ersten funktionierende stellte der aus Breslau stammende Karl Heinrich Klingert im Jahre 1797 vor. Er bewies, das Gerät ist prinzipiell einsetzbar, indem er in 6 m Tiefe einen Baumstamm zersägte.

Die ersten Schwimmtauchgeräte traten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Erscheinung. Die wichtigste Weiterentwicklung war, als 1865 die Franzosen Rouquaryrol und Denayrouze Tauchgeräte mit Druckluftbehältern ausstatteten. Diese dienten der Sicherheit für den Fall eines Ausbleibens der externen Luftzufuhr. Mit “Siebes” Erfindung erreichte die Tauchtechnik ein neues Niveau. Gerätetauchgänge waren nun keine seltenen Einzelleistungen weniger Pioniere mehr.

Die immer häufigeren Tauchgänge führten zu immer mehr praktischen Erfahrungen, aus denen bis heute gültige Regeln folgten.

Zum Beispiel wurde schon in den 1830ern vorgeschrieben, dass immer 2 Taucher gemeinsam tauchen und für einander verantwortlich sind.

Die Geburtsstunde des heute praktizierten Sporttauchens liegt in den 50 Jahren.
Zu dieser Zeit ging der Tauchsport immer mehr vom Freitauchen zum Gerätetauchen und die ersten Tauchorganisationen wurden gegründet. Bereits 1949 wird von Hans-Joachim Bergann und Dr. Kurt Ristau in Deutschland “Baracuda”, und im Oktober 1954 der “VDST (Verband deutscher Sporttaucher)” als Dachverband für den Tauchsport in Deutschland gegründet. 1966 folgte dann die Gründung von “PADI” in den USA.

Heute gibt es Gerätetauchen in zwei Varianten – Hobby und Beruf

Berufstauchen:
Das Ausführen gewerblicher Arbeiten unter Wasser ist die Aufgabe der Berufstaucher. Das Tätigkeitsspektrum ist vielfältig und umfasst Bauarbeiten, insbesondere Errichtung, Instandhaltung und Abbruch von Wasserbauwerken sowie Bauarbeiten an Land im Grundwasserbereich. Überprüfungsarbeiten an Wasserbauwerken, Schiffen, Wasserstraßen, Wracks, Brunnen, Klärwerken etc. Entsprechend breit gestreut ist das Spektrum der Stellen, die Taucher für Bergungsarbeiten, Rettungsarbeiten und Aufgaben bei Polizei und Landesverteidigung beauftragen.

Tauchen als Einsatztaucher – Rettungskräfte wie Feuerwehr, DLRG, THW und Katastrophenschutz
Tauchen im öffentlicher Dienst – bei Zoll, Polizei und Bundeswasserstraßenverwaltung
Tauchen bei der Bundeswehr – bei der Bundeswehr sowohl beim Heer als auch bei der Marine zum Beispiel als Minentaucher, Kampfschwimmer, Schwimmtaucher, und Pioniertaucher
Tauchen in der Forschung – bei wissenschaftlichen Institutionen, ozeanografischen Forschungseinrichtungen und der Unterwasserarchäologe
Tauchen in der Industrie – als Industrietaucher im Tiefbau, Anlagenbau und als Offshore-Taucher in der Ölindustrie
Gewerbliches Tauchen -gewerbliche Taucher, Tauchlehrer- und Bergungsbetriebe
Den Berufstauchern zuzurechnen sind auch die Tauchlehrer, die sich mit der Ausbildung von Sporttauchern befassen. Schließlich verdienen sie an Tauchbasen ihren Lebensunterhalt damit, tauchende Touristen zu den Sehenswürdigkeiten unter Wasser zu führen, Sporttaucher aus- und weiterzubilden.

Sporttauchen
Als Sporttauchen versteht man das Tauchen unter sportlichen, nicht beruflichen, militärischen oder wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Im Gegensatz zum Berufstaucher begibt sich der Sporttaucher unter Wasser, um die Welt der Meere, und Seen zu erkunden. Ein Erlebnis besonderer Art ist die Schwerelosigkeit unter Wasser. Das Buddy-System bringt es mit sich, dass Sporttauchen nicht als Wettkampf- sondern als Partnersport betrieben wird.

Tauchen ist sicher! Statistisch gesehen ist tauchen sicherer als schwimmen und viele Sportarten außerhalb des Wassers. Gleichwohl stellen unterschiedliche Bedingungen besondere Anforderungen an Mensch und Technik, denen mit besonderen Kenntnissen und Ausrüstungen zu begegnen ist. Beim Gerätetauchen verwendet der Taucher eine spezielle Tauchausrüstung. Diese variiert je nach Aufenthaltsdauer, dem verfolgten Zweck und den Umweltbedingungen. Jede Sportart hat jedoch ihre speziellen Gefahren und potenzielle Risiken, daher ist es notwendig, Tauchkurse zu besuchen, um die theoretischen und praktischen Kenntnisse im Umgang mit der Tauchausrüstung zu erlernen. Für Taucher gelten besondere Verhaltensregeln und klar definierte Sicherheitsstandards. Diese ergeben sich aus der Tauchtheorie und Tauchphysik.

Die Tauchorganisationen und Tauchverbände bieten modular aufgebaute Kurse, bei denen man schrittweise die Tauchkenntnisse verbessern kann. Um mit dem Tauchgerät, den möglichen Situation und potenziellen Gefahren beim Tauchen umgehen zu können, sind Tauchausbildungen notwendig. Die Tauchkurse werden von verschiedenen Organisationen, in Deutschland etwa dem VDST, oder auf internationaler Ebene von CMAS, PADI, SSI und anderen durchgeführt.
Jede erfolgreiche Ausbildung schließt mit dem Erwerb eines Tauchscheins (Brevet) ab.

Je nach Tauchorganisation gibt es Unterschiede im inhaltlichen und organisatorischen Aufbau der Tauchausbildung. Die Europäische Union hat im Jahre 2004 Mindestanforderungen (EN 14153-1, -2 u. -3) für eine standardisierte Ausbildung erlassen. Darüber hinaus gibt es in einigen Ländern, wie zum Beispiel Spanien, eine gesetzliche Regelung für den Tauchsport. In Deutschland gibt es kein Gesetz für den Tauchsport, er unterliegt dem Landeswassergesetz, wonach jedes Bundesland den Gemeingebrauch eines Gewässers selbst bestimmen darf.

Tauchschein
Ein Tauchschein, auch Brevet genannt, ist der Nachweis einer erfolgreich absolvierten Ausbildung zum Sporttaucher. Taucher dokumentieren im allgemeinen durchgeführte Tauchgänge in einem Logbuch. Tauchschein und Logbuch dienen dazu, den Ausbildungsstand des Tauchers zu dokumentieren. Tauchscheine werden von verschiedenen Tauchorganisation und Tauchschulen ausgestellt, sind aber keine offiziellen Dokumente.

Die wichtigsten weltweit agierenden Verbände sind PADI, CMAS, und SSI. Alle drei Verbände haben Regeln entwickelt, nach denen sie die Tauchscheine der jeweils anderen Organisation anerkennen. Verschiedene Arten von Tauchscheinen weisen den Ausbildungsstand des Tauchers nach. Sie bescheinigen dem Taucher beispielsweise ausreichende Fähigkeiten, um ohne Tauchlehrer zu tauchen, bestimmte Tiefen zu unterschreiten oder Tauchgruppen anzuführen.

Da es sich bei den gängigen Tauchscheinen für Sporttaucher nicht um amtliche Dokumente handelt, haben sie lediglich Empfehlungscharakter und die Inhalte und Abstufungen unterscheiden sich je nach ausstellender Organisation zum Teil erheblich.

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